Bericht über das Gruppentreffen am Donnerstag, 21. März 2019, 20:00 Uhr

Bericht über das Gruppentreffen am
Donnerstag, 21. März 2019, 20:00 Uhr

Referent: Frau Ursula Zeh, Psychologin, Theologin
Psychologische Beratungsstelle des Erzbistums Bamberg, Standort: Nürnberg
Psychologisches Beratungsangebot für Menschen mit Hörschädigung und deren Angehörige
Thema: Ein schwerhöriges Kind – und was ist mit den Eltern?

Zu Beginn stellt Frau Zeh die Beratungsstelle, welche es nun schon seit 8 Jahren gibt, und deren Angebot vor. Dieses Angebot stellt sich wie folgt dar:

  • Hilfe zur Selbsthilfe
  • Eigene persönliche Beratung
  • Paarberatung in Form von moderieren, begleiten, zuhören üben, Verständnis, Offenheit, Kommunikations- und Konfliktkompetenz
  • Barrierefreie Beratung in Form von technischer Unterstützung, Gebärdendolmetschen, Beeinträchtigung und deren Hintergrund ist bekannt

Man meldet sich zum Erstgespräch an. Auf Wunsch können Folgetermine vereinbart werden. Es wird eine Zielvereinbarung festgehalten. Die Beraterinnen sind an die Schweigepflicht gebunden. Die Beratung ist kostenfrei und jeder ist herzlich willkommen.

Nun zu unserem heutigen Thema: Ein schwerhöriges Kind – und was ist mit den Eltern?

Die Eltern haben die gleichen Herausforderungen mit ihrem Kind, wie alle anderen Familien auch, und zusätzlich noch die Belastung der Schwerhörigkeit des Kindes zu meistern.

Zusätzliche Belastungen sind:

  • Finanzielle Belastung
    • Fahrten zu Förderungen (Frühförderung, Logopädie, Ergotherapie,….), Ärzten
    • Reduzierte Berufstätigkeit
    • Privatleistungen Therapien
  • Zeitliche Belastung
    • Förderungen
    • Ärzte
    • Behördengänge
  • Emotionale Belastung
    • Verunsicherung
    • Selbstzweifel vs. Hoffnung
    • Druck „alles richtig zu machen“
    • Krippe-, KiGa-, Schulentscheidung – Angst und Sorge
    • Familiäre Zukunft
    • Schuldvorwürfe
    • Schamgefühl
    • Versorgungsgefühle
    • Trauer – Verlust, Verabschiedung von Hoffnung und Erwartung, Enttäuschung, Wut und Aggression
    • Ohnmacht – lässt sich nicht ändern.

Die Auseinandersetzung mit der Diagnose: Schwerhörigkeit/Gehörlosigkeit, ist sehr schwierig zu (be-)greifen und ist schlecht einschätzbar, weil man in der Regel nicht weiß, wie sich Schwerhörigkeit/Gehörlosigkeit für ein Kind und seine Entwicklung auswirkt und welche Folgen das für eine Familie mit sich bringt. Es ist erstmal schwer zu verstehen und alles unklar.

Folgen in der Partnerschaft können sein:

  • Konflikte – Spannungen
  • Unausgesprochene Schuldgefühle
  • Partnerschaft kommt oft zu kurz
  • Brennpunkt Nr. 1: nur noch die Behinderung
  • Viele Entscheidungen müssen getroffen werden

Folgen im sozialen Umfeld:

  • 50 % des Freundeskreises brechen weg, weil keine Zeit für die Pflege des Freundeskreises bleibt.
  • Es können aber auch neue Kontakte/Freundschaften entstehen.

Die Beziehung zum Kind:

  • Man kann evtl. nicht mehr so unbefangen mit dem Kind umgehen
  • Es kann eine distanzierte Haltung entstehen, weil
    • man so enttäuscht über dieses „nicht perfekte“ Kind ist
    • das Verwöhnen vs. Grenzen setzen vs. besonders beschützen wollen lassen sich schwierig gestaltet
  • es besteht die Gefahr, dass man zum „Therapeuten“ vom Kind wird

Andrea Grätz

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